Samstag, 14. November 2015

Ich habe keine Worte ...

... und muss doch welche machen. Die Gewalt in Paris entsetzt mich. So viele Tote! Ich denke an alle, die Angehörige verloren haben, die in Krankenhäusern liegen und eine lange Rekonvaleszenz vor sich haben ...

Mit Betroffenheit höre ich Journalist/innen und Kolleg/innen Politiker oder sich gegenseitig fragen, ob man sich jetzt vor Flüchtlingen schützen müsse, ob wir verzagen, ob wir nicht mehr sagen dürfen, "wir schaffen das?", weil wir es gar nicht mehr schaffen wollen.

Das eine aber hat nichts miteinander zu tun. Ein terroristischer Angriff bewaffneter Extremisten ist etwas völlig anderes, als die Ankunft von Menschen, die vor Terror und Krieg fliehen.

Meine Nicht hat es heute auf den Punkt bebracht: »Seht ihr jetzt, wovor sie sich fürchten? Aufstehen! Unsere Werte nicht zerstören lassen!"

Das ist der einzige Zusammenhang, den man herstellen kann. Wer jetzt anfängt, die Genfer Konvention, unser Asylrecht und unsere tiefe demokratische Überzeugung, dass jeder Mensch menschenwürdig behandelt werden muss, infrage zu stellen, spielt dem Extremismus in die Hände, dem islamischen genauso wie dem rechten. 

Denkt sorgfältig, liebe Kolleginnen und Kollegen. Die Gesellschaft braucht uns Schriftstellerinnen und Schriftsteller, damit wir sie daran erinnern, dass wir Menschen sind und menschlich fühlen. Wir lassen uns vor keinen weltanschaulichen Karren spannen, wir schauen genau hin, wir sehen den Menschen. Halten wir die Augen offen, ich bitte euch. 

Christine Lehmann

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